und was die Regenbogen-Photovoltaik-Anlage in St. Pauli damit zu tun hat
Solarparks sind fast immer dunkelblau oder schwarz. Aber warum eigentlich? Wäre es nicht schöner, wenn die Module grün wären und sich harmonisch in die Landschaft einfügen? Die Regenbogen-Photovoltaik-Anlage auf dem Stadiondach des FC St. Pauli hat diese Frage neu aufgeworfen. Sie zeigt, dass Photovoltaik nicht eintönig sein muss. Doch hinter der Farbwahl steckt mehr als Ästhetik: Es geht um Technik, Wirtschaftlichkeit und Verträge.
Photovoltaikmodule bestehen überwiegend aus Silizium, das Licht absorbieren soll, um Strom zu erzeugen. Je mehr Licht aufgenommen wird, desto höher ist der Wirkungsgrad. Dunkle Farben, insbesondere Schwarz, absorbieren nahezu das gesamte sichtbare Spektrum, während helle oder bunte Farben Licht reflektieren. Ein grünes Modul würde einen Teil des grünen Lichts zurückwerfen, statt es in Energie umzuwandeln. Das senkt den Wirkungsgrad um mehrere Prozentpunkte und in der Welt der Solarparks zählt jeder Ertrag. Farbige Module wie die Regenbogen-Photovoltaik-Anlage in St. Pauli nutzen spezielle Beschichtungen, die Licht in bestimmten Wellenlängen reflektieren. Das sieht spektakulär aus, kostet aber Effizienz. Für ein Stadiondach, das ein Statement setzen will, ist das akzeptabel. Für einen 40-Megawatt-Solarpark, der Rendite bringen soll, eher nicht.
Damit sind wir bei den wirtschaftlichen und vertraglichen Aspekten. Solarparks sind Investitionsprojekte mit klaren Renditezielen. Jeder Euro und jede Kilowattstunde zählen. Wenn die Module weniger Strom produzieren, sinken die Einnahmen aus Einspeisevergütungen oder Stromverkauf. Das hat direkte Auswirkungen auf die Amortisationszeit, die Finanzierungsverträge und sogenannte Power Purchase Agreements (PPA). Banken, Anleger und Stromabnehmer kalkulieren mit bestimmten Erträgen. Farbige Module könnten diese Kalkulation sprengen. Weniger Ertrag bedeutet im schlimmsten Fall Vertragsstrafen oder Nachverhandlungen. Kurz gesagt: Farbe ist ein Risiko für die Wirtschaftlichkeit. Deshalb sind bunte Module bisher eine Ausnahme, meist für PR-Projekte oder ikonische Gebäude.
Die Regenbogen-Photovoltaikmodule auf dem Stadiondach des FC St. Pauli sind ein Paradebeispiel für die Verbindung von Technik und Botschaft. Hier geht es nicht primär um maximale Effizienz, sondern um ein Statement: Vielfalt, Nachhaltigkeit und Innovation. Solche Projekte haben enorme PR-Wirkung. Sie sorgen für Medienpräsenz, stärken das Markenimage und erhöhen die Akzeptanz von Photovoltaik in sensiblen Regionen. Aber diese PR-Vorteile müssen gegen die technischen und finanziellen Nachteile abgewogen werden. Für ein Stadion ist das machbar. Für einen Solarpark auf der grünen Wiese eher nicht. Die Farbe der Photovoltaikmodule ist also kein Zufall, sondern das Ergebnis von Physik, Wirtschaft und Strategie. Grün wäre schön, aber teuer und technisch nachteilig.

