Ein Erfahrungsbericht
Die Netzanfrage ist einer der ersten und zugleich entscheidenden Schritte in der Projektentwicklung. Sie bestimmt, ob ein Vorhaben technisch realisierbar und wirtschaftlich sinnvoll umgesetzt werden kann. In der Praxis zeigt sich jedoch, dass dieser Prozess häufig komplex, uneinheitlich und nur eingeschränkt planbar ist.
Bereits der Einstieg unterscheidet sich je nach Netzbetreiber deutlich. Während einige strukturierte und nutzerfreundliche Onlineportale anbieten, erfolgen Netzanfragen bei anderen über individuelle Formulare oder per E-Mail. Einheitliche Verfahren sind bislang nicht durchgängig etabliert, was zu erhöhtem Abstimmungsaufwand, einer höheren Fehleranfälligkeit und einem erheblichen Zeitbedarf führt. Auch die Anforderungen an die einzureichenden Unterlagen sind nicht einheitlich geregelt. Welche Daten in welchem Umfang benötigt werden, variiert teils deutlich, selbst bei vergleichbaren Projekten.
Eine besondere Herausforderung stellt die Transparenz hinsichtlich der verfügbaren Netzkapazität dar. Einige Netzbetreiber ermöglichen vorab eine Selbstauskunft oder zumindest eine grobe Einschätzung, während diese Möglichkeit bei anderen nicht vorgesehen ist. Auch dort, wo entsprechende Portale angeboten werden, sind die Angaben nicht immer belastbar. So haben wir in der Praxis erlebt, dass der zunächst ausgewiesene Netzverknüpfungspunkt bei gleicher Einspeiseleistung in der späteren offiziellen tagesaktuellen Auskunft deutlich weiter entfernt lag. Solche Abweichungen können erhebliche Auswirkungen auf die Wirtschaftlichkeit haben und führen dazu, dass Projekte erneut bewertet werden müssen. Entsprechend lassen sich viele Vorhaben erst nach mehreren Netzanfragen realistisch einschätzen, was Zeit und Ressourcen auf beiden Seiten bindet.
Ein weiterer Aspekt ist die Bearbeitungsdauer von Netzanfragen. Zwar sieht das EEG klare Fristen vor, insbesondere die Rückmeldung innerhalb von acht Wochen, diese werden in der Praxis jedoch nicht immer eingehalten. Hinzu kommt, dass Rückmeldungen zum aktuellen Bearbeitungsstand oder zur voraussichtlichen Dauer häufig nicht vorgesehen sind. Auch hier zeigt sich ein uneinheitliches Bild: In manchen Fällen erfolgt zeitnah eine Rückmeldung, in anderen erst deutlich später oder gar nicht. Für die Projektentwicklung erschwert dies eine verlässliche Termin- und Ressourcenplanung.
Auch die Bearbeitungspraxis selbst kann variieren. Je nach zuständigem Ansprechpartner unterscheiden sich Rückmeldungen hinsichtlich der geforderten Nachweise oder der Auslegung einzelner Anforderungen. Dies kann dazu führen, dass vergleichbare Projekte unterschiedlich behandelt werden oder zusätzliche Nachforderungen entstehen, die den Prozess verlängern.
In einzelnen Fällen werden zudem Netzverknüpfungspunkte benannt, die wirtschaftlich nur schwer darstellbar sind, ohne dass dies transparent begründet oder alternative Optionen aufgezeigt werden. Erschwert wird der Ablauf zusätzlich, wenn Rückfragen aufgrund eingeschränkter Erreichbarkeit oder fehlender Ansprechpartner nur verzögert geklärt werden können.
Aus unserer Sicht liegt hier großes Potenzial für Weiterentwicklung. Klar strukturierte und möglichst einheitliche Verfahren für Netzanfragen, unabhängig vom gewählten Kommunikationsweg, würden die Prozesse für alle Beteiligten effizienter machen. Standardisierte Anforderungen an Unterlagen sowie frühzeitige, unverbindliche Informationen zur Netzkapazität könnten die Planung deutlich verbessern.
Die Energiewende erfordert Tempo, Verlässlichkeit und Zusammenarbeit. Transparentere und konsistentere Netzanfrageprozesse würden nicht nur die Projektentwicklung erleichtern, sondern auch die Netzbetreiber selbst entlasten. Unser Ziel ist es daher nicht, pauschal zu kritisieren, sondern einen konstruktiven Beitrag zur Diskussion und Weiterentwicklung der bestehenden Prozesse zu leisten.

